Strandkrabbe

Die Strandkrabbe kommt an vielen Meeresküsten vor und lässt sich gut aus der Nähe beobachten. Die etwas größeren männlichen Krabben sind mutiger als die weiblichen Tiere und zeigen sich den Menschen gegenüber oft ziemlich kämpferisch. Sie können mit ihren zangenbewährten Vorderextremitäten ganz schön zwicken. Man muss als angehender Meeresforscher also geschickt vorgehen. Strandkrabben sind Allesfresser, die mit ihren kräftigen Scheren Muscheln und Schnecken knacken können. Für Seevögel und Fische wiederum, die ihrerseits über kräftige Schnäbel und Kiefer verfügen, sind Strandkrabben eine leckere Zwischenmahlzeit.

Einsiedlerkrebs

Einsiedlerkrebse leben in Nord- und Ostsee im flachen Wasser, landen gelegentlich aber auch in Gezeitentümpeln, wo sie in ihrer ganzen — doppelten — Pracht bewundert werden können. Denn die Tiere bestehen aus zwei Teilen, dem Krebs und dem leeren Haus einer Schnecke, meist der wunderschön geschnörkelten Wellhornschnecken, die sich der Krebs als Behausung gesucht hat und überall mit sich herumträgt. Einsiedlerkrebse nützen die Schneckenhäuser als Tarnung, um von hier aus den Wassertieren aufzulauern. Bei Gefahr ziehen sie sich darin zurück.

Ohrenqualle

Vom Ausflugsdampfer und auch beim Schnorcheln kann man diese eleganten Tiere oft beobachten. Die vier charakteristischen »Ohren« sind eigentlich die Geschlechtsorgane, die bei den männlichen Tieren weiß bis rotorange sind und rotviolett bei den weiblichen Quallen. In manchen Regionen (und oft auch an Strände geschwemmt) kann man von Zeit zu Zeit besonders viele Quallen beobachten. Zu Massenvermehrungen kommt es vor allem bei warmen Wassertemperaturen und einem Überangebot von Kleinkrebsen, welche ihrerseits von der Überdüngung in der Landwirtschaft und der dadurch geförderten Algenvermehrung profitieren.

Schweinswal

Schweinswale ähneln Delfinen und gehören wie diese zu den Meeressäugetieren. Das heißt, sie bringen lebende Jungen zur Welt und säugen diese mit Muttermilch. Wie alle Säugetiere atmen Wale Sauerstoff durch ihre Lungen und bleiben deswegen oft nahe der Wasseroberfläche, können aber auch bis zu 80 Meter tief tauchen. Im trüben Wasser orientieren sich die Schweinswale per Echolot wie die Fledermäuse. Sie haben ein sehr sensibles Gehör, das sie zur Orientierung und Kommunikation brauchen. Durch den Krach im Meer, besonders derzeit durch den Bau von Off-Shore Windkraftanlagen, werden Schweinswale schwerhörig. Seit 2013 müssen deswegen in den deutschen Küstengebieten bei Baustellen für Windkraftanlagen Schallschutzmaßnahmen getroffen werden.

Brandgans

Die bunte Brandgans gilt als Charaktervogel des Wattenmeers. Ab August landen die überwinternden Brandgänse aus Skandinavien zu Tausenden im Watt, wo sie nach Schnecken, Würmern und Krebsen suchen. Einzeln, in Paaren und in kleinen Gruppen sind die Brandgänse das ganze Jahr in den Bodden und ruhigen Buchten zu beobachten. Ihr Brutverhalten ist bemerkenswert. Die Tiere brüten nämlich oft in Kaninchenhöhlen. Im selben unterirdischen Bau — allerdings in verschiedenen Kammern — leben manchmal gleichzeitig auch Kaninchen und Füchse, die sich während dieser Zeit um ihren eigenen Nachwuchs kümmern. Während der Welpenaufzucht betrachten die Füchse die Brandgänse und auch die Kaninchen nicht als Beute. Zoologen bezeichnen dieses Phänomen als »Burgfrieden«.

Seestern

Seesterne leben zumeist in felsigen Meerregionen nicht tiefer als 200 Meter. Anatomisch sind diese Tiere ganz speziell: Sie haben fünf kräftige Arme und kein Hirn. Ihre einfachen Sinneszellen funktionieren durch mechanische, chemische und optische Reize. Jeweils an den Spitzen ihrer Arme haben die Tiere primitive Augen. Diese Ausstattung reicht aus, um ihre Lieblingsbeute, die Miesmuschel, aufzustemmen; ein Kampf, der oft Stunden dauert, weil sich die Miesmuschel natürlich wehrt. Hat der Seestern die Muschelschalen weit genug geöffnet, wird es ganz bizarr: Dann stülpt er seinen Magen in die Muschel hinein und fängt an zu fressen und zu verdauen.

Austernfischer

Austernfischer lassen sich an vielen Küsten beobachten. Sie sind leicht zu erkennen an ihrem schwarzweißen Gefieder und den knallroten Schnäbeln, mit denen die Vögel im Schlick nach Würmern und Muscheln stochern. Bemerkenswert ist die Treue der Tiere. Sie bleiben Zeit ihres Lebens sowohl ihrer Küstenregion treu als aus ihren Partnern. Sie bleiben Zeit ihres Lebens sowohl ihrer Küstenregion als auch ihren Partnern treu – und das bei einer Lebenserwartung von bis zu 30 Jahren!. Verliert ein Vogel den anderen Partner, finden die Tiere jedoch schnell Ersatz und brüten oft auch noch erfolgreich im hohen Alter.

Lachmöwe

Möwen sind ideal für den Einstieg in die Feldornithologie. Viele Arten, ob Lachmöwe, Heringsmöwe, Silbermöwe oder Sturmmöwe, haben kaum Angst vor Menschen und sind meist leicht zu beobachten, aber alles andere als einfach von einander zu unterscheiden. Man braucht ein gutes Fernglas und muss Details in Gefieder-, Bein- und Schnabelfärbungen beachten. Lachmöwen etwa sind mit ihrem schwarzen Köpfchen von den seltenen Schwarzkopfmöwen an der weniger intensiven roten Schnabelfärbung und den dunklen Flügelspitzen zu erkennen. Den Vögeln selbst fällt das offenbar nicht immer leicht. Gelegentlich paaren sich Schwarzkopfmöwen erfolgreich mit Lachmöwen.

Küstenseeschwalbe

Küstenseeschwalben werden manchmal mit Möwen verwechselt, bilden aber eine eigene Vogelfamilie. Ihre Hochzeitsflüge sind ein besonderes Schauspiel. Das Männchen vollführt kunstvolle Kreisfiguren in der Luft und zeigt dem Weibchen mögliche Nistplätze am Boden. Auch Hochzeitsgeschenke — die Übergabe von Fischen — gehören zum Paarungsritual. Nord- und Ostsee sind die südlichsten Brutgebiete dieser Art. Die meisten Küstenseeschwalben brüten in nördlicheren Gebieten wie Norwegen, Island und der Arktis. Zum Überwintern fliegen die Vögel bis zu 80.000 Kilometer ans andere Ende der Welt, in die Antarktis.

Seehund

Seehunde lassen sich an abgeschiedenen Stränden und vor allem auf den Sandbänken gut beobachten. Das ist nicht selbstverständlich. Vor 30 Jahren waren Nord- und Ostsee schmutziger als heute und die Seehunde infektionsanfällig. Über ein Drittel der Tiere starb an einer Seuche. Heute gibt es so viele Seehunde wie lange nicht mehr. Auch der Vetter der Seehunde, die Kegelrobbe, breitet sich aus. Manchmal rasten Seehunde und Kegelrobben friedlich nebeneinander auf derselben Sandbank. Einzelne Tiere der deutlich schwereren Kegelrobben greifen allerdings gelegentlich Seehunde an und fressen sie manchmal sogar an. Mit bis zu 300 Kilogramm Gewicht sind Kegelrobben die größten freilebenden Raubtiere Deutschlands.

Wattwurm

Bei Wattwanderungen während der Ebbe kann man zu Tausenden die Kothäufchen der Wattwürmer sehen. Die Häufchen, die wie kleine Spaghetti-Portionen aussehen, werden von den Wattwürmern etwa alle 45 Minuten blitzschnell an der Oberfläche abgesetzt. Die fingerdicken Würmer fressen Sand und verwerten die organischen Teile darin. Ihr Verdauungsgeschäft müssen die Wattwürmer so schnell wie möglich verrichten, weil an der Oberfläche Vögel wie Austernfischer lauern, um sich die Würmer zu schnappen. Oft erwischen die Vögel nur das hintere Ende, welches die Würmer dann abwerfen und so entwischen können.

Miesmuschel

Miesmuscheln leben oft dicht gedrängt auf Sandbänken, Felsvorsprüngen aber auch an Hafenmauern und Pfählen, wo sie sich mit ihrer stark klebrigen Unterseite anheften. Die Schalentiere sind nicht nur für Seesterne eine beliebte Speise, sondern auch für Menschen. Warum aber werden frische Muscheln in vielen Restaurants nur an Monaten mit »r« angeboten (also nicht in den Monaten Mai, Juni, Juli und August)? Hierfür gibt es zwei Gründe: Erstens laichen Muscheln im Sommer und schmecken dann nicht mehr so gut. Außerdem fressen Muscheln Algen, die während der Sommermonate manchmal giftige Biotoxine produzieren.

Sandgarnele

Sandgarnelen, die auch als Nordseekrabben bekannt sind, leben vor allem im Bereich der Flussmündungen. Der Grund hierfür ist der geringe Salzgehalt, den viele Meeresfische meiden, die die Krabben gerne fressen würden. Krabben profitieren genau wie die Quallen vom Nährstoffeintrag der Landwirtschaft. Anders als die Quallen sind die Krabben für den menschlichen Verzehr bestens geeignet und kommen in vielen leckeren Rezepten vor. Dank ihrer hohen Vermehrungsrate können sie anders als viele Meeresbewohner nicht überfischt werden. Problematisch ist zur Zeit noch der Beifang, wie etwa junge Schollen, die unabsichtlich in den engmaschigen Netzen landen, bevor sie sich fortpflanzen können.